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Jahre vergingen und in dieser Zeit wurde der Wunsch nach einem richtigem Schiff immer größer.
An meinem 12. Geburtstag sollte es soweit sein. Die "Korsika". Ein etwa 70 cm langes Segelschiff von Carera.
Über Wochen habe ich jeden Tag nachgeschaut, ob mein Schiffchen noch in dem Versteck liegt, das meine Eltern ausgesucht hatten und vor mir sicher glaubten. Dann war es soweit. 12 Jahre und ein eigenes Segelschiff. Weitere Wochen musten vergehen, bis es entlich Ferien gab. In dieser Zeit habe ich mein Schiff hunderte male auf und wieder abgebaut, bis jeder Handschlag sitze. Der Tag X kam näher und näher, bis es hieß: „Auf nach Norderney“.
Auch in diesem Jahr war es nicht einfach das große Zelt aufzustellen. Wieder sollten Stunden vergehen. Wenn nicht heute zum Wasser, dann eben Morgen. Der nächste Tage, besser gesagt, die nächsten Tage, oder noch besser gesagt, die nächsten Wochen waren doch sehr feucht. Von oben. Schauer über Schauer. Halbe Stunde regen und halbe Stunde kein Regen. Hm .... Bis zum Meer war es nicht so weit. So etwa 300 Meter. Kurz über die Düne und schon hätte mein neues Segelschiff zum ersten Mal schwimmen können. Genau, die Betonung liegt auf "Können", denn immer wenn ich das Wasser erreicht hatte, fing es an zu regnen. Also wieder zurück zum Zelt. War ja nicht weit. Etwas warten und es hörte auf zu regnen. Das Schiff legte ich erst gar nicht hin, sondern hielt es fest. Ebenso die Drachenschnur. Das es Fernsteuerungen gab, wusste ich noch nicht und außerdem woher nehmen? Wünschen, zu Weihnachten? Ja, genau, doch erstmal war mir die erste Fahrt wichtiger. Der Regen hörte auf und ich rannte mit meinem Schiff wieder zum Wasser. Dort angekommen fing es gleich erneut an zu regnen. Den ganzen Tag habe ich so verbracht, ohne dass mein neues Schiff jemals im Wasser war. Wenn nicht heute, dann eben Morgen. Der nächste Tag war auch nicht trockener. Nur die Abstände der einzelnen Schauer waren länger. Also hin zum Wasser und ...... Nee nee, es fing nicht an zu regnen. Noch nicht. Erst als ich überprüft hatte, ob die Schnur noch am Schiff war und ich dieses seinem Element zum ersten Mal überreichte. Es schwamm und fiel nicht auseinander, so wie mein erstes Schiff. Mit dem Regen war auch sehr viel Wind aufgekommen und mein Schiffchen wurde von den großen Wellen regelrecht überrollt. Alles hielt aber. Es war mir egal, ob es regnete. Ich sahr mein Schiff schwimmen.
Weitere Wochen mit Regenschauern sollten folgen, doch nicht ein Tag verging, wo ich nicht zum Meer ging und mein Segelschiff ins Wasser setzte. Es sprach sich auch herum, in dem kleinen Ort, wo wir zelten. Ich war der Junge mit dem Schiff.
Meine Eltern wollten immer an einem Strand, der nicht so voll war, doch der war etwa 10 Km entfernt. (FKK-Strand)
Der Regen hörte auf und mit ausschlafen war auch nichts. "Ab zum Strand" hieß es. Alles rein in die "Ente" und hin zum Strand. Mit Schiff. Die Priele waren wie gemacht zum Segeln ohne eine bremsende Schnur. Wegschwimmen konnte mein Schiff nicht. Dann eines Tages kam ich auf die Idee, mit Schnur an dem Schiff, die etwa 10 Km zu unserem Strand zurückzulaufen. "Wenn Du Dir das zutraust, mach es". Um es mal so zu sagen, diese Zeit meiner Jugend, war nicht meine gesündeste. Alles, was mit viel laufen zusammenhing, wurde weiträumig umgangen. Um doch wollte ich mit meinem Segelschiff diese Strecke schaffen. Ich stellte das Ruderblatt etwas nach rechts und konnte mein Schiff, mit der Leine am Bug befestigt, so etwas auf Kurs halten. Was soll ich sagen. Es war toll. Die Stunden vergingen und viele Menschen wunderten sich, was ich da machte, so ganz alleine. "So klein, ganz alleine unterwegs und so ein weiter Weg".
Meine eigene Freude war so groß, dass ich die nächsten Wochen nicht mit dem Auto, sondern dorthin laufen wollte, wo meine Eltern zum Strand wollten. Und abends immer zurück am Strand entlang. Meistens, denn das viele laufen rächte sich auch sehr, doch jede einzelne Minute würde ich erneut erleben wollen. Es sind einige meiner schönsten Erinnerungen.
Wenn nicht heute, dann eben Morgen
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